sportmedizinische Untersuchung

Informationen zur sportmedizinischen Untersuchung

Bei Ihrem Kind soll eine sportmedizinischen Untersuchung durchgeführt werden, oder es ist bereits eine sportmedizinische Untersuchung durchgeführt worden.

 

Ziel der sportmedizinischen Untersuchung ist es, besondere Risiken und physische "Schwachstellen" des Kindes oder Jugendlichen in Bezug auf die geplante Sportausübung zu erkennen.

 

Da diese Untersuchung in Deutschland keine Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung ist und von den Eltern selbst bezahlt werden muss, sollte auf aufwändige apparative Untersuchung so weit gehend wie möglich verzichtet werden, um die Kosten gering zu halten.

 

Wir orientieren uns an den Empfehlungen der Gesellschaft für Pädiatrische Sportmedizin.

 

Häufig wird beispielsweise die Frage gestellt, ob ein EKG bei der sportmedizinischen Untersuchung von Kindern und Jugendlichen erforderlich ist. Diese Frage wird zurzeit noch unterschiedlich beantwortet. Nach den Empfehlungen der Gesellschaft für Pädiatrische Sportmedizin, der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention und der American Heart Association (1) ist ein EKG nur erforderlich, wenn Anamnese oder klinische Untersuchung auffällig sind.

 

Plötzliche Todesfälle bei Sportlern sind ein seltenes Ereignis und fast immer auf kardiale Vorerkrankungen zurückzuführen. Die Häufigkeit bei jüngeren Sportlern wird unterschiedlich angegeben, Driscoll (2) gibt eine Häufigkeit des plötzlichen Herztodes insgesamt von 2,4 bis 8,5/100.000 an und etwa 1/4 dieser Todesfälle trat während körperlicher Belastung auf. Pelliccia (3) spricht von einer Häufigkeit von 1 : 200.000.

Untersuchung aus Italien zeigen, dass durch ein EKG bei der sportmedizinischen Untersuchung die Häufigkeit plötzlicher kardialer Todesfälle bei Athleten unter 35 Jahren gesenkt werden kann (4). Daher wird von einer Konsensusgruppe in der European Society of Cardiology (5) ein EKG bei der Sporteingangsuntersuchung gefordert. Bei dieser wissenschaftlichen Untersuchung wurde allerdings keine Altersdifferenzierung vorgenommen, so dass die Frage, ob ein EKG auch in der Altersgruppe bis 18 Jahre sinnvoll ist, nicht beantwortet werden kann. Bedenkenswert ist auch, dass strukturelle Herzerkrankungen auch ohne auffälliges EKG vorliegen können.

 

Fazit:

Entweder bei unauffälliger sportmedizinischer Untersuchung kein EKG oder wenn Sie tatsächlich mit höchster Sicherheit kardiale Vorerkrankungen ausschließen möchten, dann sollten Sie zusätzlich eine komplette kardiologische Untersuchung inklusive Ultraschall des Herzens bei einem Kinderkardiologen durchführen lassen, insbesondere bei Personen aus Norditalien (Arhythmogene rechtsventrikuläre Kardiomyopathie, familiär gehäuft). Dies gilt auch für Untersuchungen zur Tauglichkeit für den Tauchsport, gerade hier kommt es durch die verlängerte Ausatemphase zu einer Rechtsherzbelastung und hier wäre die Durchführung eines zusätzlichen EKG´s und einer Lungenfunktion am ehesten zu erwägen.

 

Literatur:

 

  1. Maron BJ, et al. Cardiovascular preparticipation screening of competitive athletes. A statement for health professionals for Sudden Death Committee (Clinical Cardiology) and Congenital Cardiac Defects Committee (Cardiovascular Disease in the Young). American Heart Association.

Circulation 1996; 94: 850-856

  1. Driscoll JD. Cardiovascular evaluation of the child and adolescent before participation in sports. Mayo Clin Proc 1985; 60: 867-873
  2. Pelliccia A. Myocardiale Erkrankungen als Risiko eines plötzlichen Herztodes beim Sportler – Die Notwendigkeit kardialer Vorsorgeuntersuchungen.

Dtsch Z Sportmed 2001; 52: 197-204

  1. Corrado D, et al. Trends in sudden cardiovascular death in young competitive athletes after implementation of a preparticipation screening program.

JAMA 2006; 296: 1595-1601

  1. Corrado D, et al. Cardiovascular pre-participation screening of young competitive athletes for prevention of sudden death: proposal for a common European protocol.

Eur Heart J 2005; 26: 516-524

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Dr. med. Manfred Reichert